Mittwoch, 9. Juni 2010

Staubwolken unter dem Rieserad

Wir schauen in den letzten Eintrag! Da steht was über "Corpus Christi" und Feria?
Was hat denn Fronleichnam in Spanien zu bieten?

Letzten Mittwoch machten wir uns auf genau das herauszufinden.
20 Extrabusse fahren den ganzen Tag und Nacht raus aus der Stadt (und kosten dabei doppelt soviel) um dich an einer staubigen Ecke mit einem Mop an lustig angeheiterten Menschen rauszuwerfen. Wenn es um Feria geht sind wirklich alle Spanier am Start und dann gibt's kein zurück mehr. In den "Casetas" (Festzelte) wird gegessen, getrunken und Flamenco getanzt. Es gibt die edlen, wo man auch nur mit VIP-Ausweis reinkommt und die, für den Josénormalverbraucher. Aber egal welche, alle sind von irgendeiner Organisation, Partei, Firma oder Institution und je nachdem ist es dort lustig oder her nicht so. Zum Beispiel will man in die von der eher rechts ausgerichteten PartidoPopular (PP) eher nicht rein, dafür aber in die von der Uni Granada (UGR) oder einem kleinem Kinoliebhaberverein (da waren wir dann). Wenn man keine persönliche Beziehungen zu irgendeinem Verein oder so hat, dann kann man wunderbar über das Gelände schlendern und sich einfach die schönste aussuchen. Teuer ist es überall!
Wenn man sich dann aus sparmaßnahmen eher mäßig vollgefressen hat geht es weiter um ein bisschen das Tanzbein zu schwingen und dabei ordentlich den Staub aufm Boden aufzuwirbeln. Dafür gibt es dann die Casetas, wo nur getanzt wird. Da hat man die freie Auswahl zwischen House, Trance, HipHop, Schlager, Mallorca-Schlager und einfachnurzumkotzenmusik. Ein Freund hatte mir den Tipp der "Caseta de Meneíllo" gegeben. Diese wird jedes Jahr von der eNRD (accion en red) organisiert, eine kleine NGO, die sich für gesellschaftlichen Wandel und soziale Gerechtigkeit einsetzt und dazu noch einen geilen Musikgeschmack besitzt. Nun, ich sag mal, dafür geb ich doch gern mein Biergeld aus.
Además gabs auch noch die "Cutre Chou", ein politik-kritisches Theater, von dem ich ohne Magali vermutlich doch eher nichts verstanden hätte, die Kostüme waren aber auch schon so zum schreien.
Wir tanzten also die ganze Nacht unter freiem Himmel im T-shirt (es wird irgendwie nie mehr kalt) und um fünf gabs noch Burger vom Stand nebenan während noch tausend Kinder in ihren Caballerokostümen oder Flamencokleidchen fangen spielten. --> Darauf bin ich übrigens stark neidisch. Hätte ich am Anfang gewusst, dass das Gesellschaftlich so akzeptiert ist, diese Bonbonartigen Dinger alle paar Wochen anzuziehen, sich megamäßig aufzubrezeln und durch die Straßen zu schlendern, hätte ich mir auch eins gekauft.
Ach ja, die Kirmes stellt übrigens die zweite Hälfte des ganzen dar. Die ist aber wie jede Kirmes auf der ganzen Erde laut, langweilig und teuer.

Das war letzte Woche.
An dem Tag hatte ich auch noch allen Grund zu feiern, denn meine erste Klausur war vorüber. Ging alles ganz gut, nur die 5 Phasen der Pensionierung fielen mir nicht mehr ein, die ich aber dann bei meiner Nachbarin abschreiben durfte. Jetzt gehts weiter mit lernen, was doch mehr ist als ich dachte und da alle meine Noten in Deutschland zählen, will ich wenigstens versuchen mehr recht als schlecht hier raus zu kommen. Deseadme suerte!

Bis bald..

Das ist wohl DAS Traditionsgetränk schlechthin
auf der Feria. Irgendein Weinlikör oder so.
Keine Ahnung, schmeckt scheiße!







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