Ach ja, im Bus. Richtig. Witzige Geschichte, die jetzt folgt.
Ich saß also im Bus in Richtung Cai (So wie Din, Ac, oder Ms). Die nächste und letzte Station würde dann endlich der Busbahnhof dort sein und ich freute mich schon auf ein kühles Bier mit (leider nicht gratis wie Granada) Tapa. Wir fuhren in die Neustadt ein, hielten, ein paar Leute stiegen aus, ich blieb sitzen. Nächste Station, ne. Schade. Leider drehte der Bus um und fuhr wieder in die andere Richtung. Für ungefähr 10 Minuten dachte ich noch, der würde nur n Platz zum drehen suchen, aber als ich in San Fernando ankam und alle Leute ausstiegen war mir klar, das hier irgendwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt hatte. Anders als im Internte, auf dem Ticket und und dem Schild im Bus, war nämlich nicht Cádiz sondern halt dieses Kaff die Endstation. Schade. Nun saß ich da am "Culo del mundo" um ja so mitten in der Nacht. Ich denke früher hätten sich da ganz schnell panikartige Zustände eingestellt, aber irgendwie dachte ich mir, dass das ja alles nicht so dramatisch sein kann. Bin ja schließlich in Spanien und nicht im Jemen. Letztens hatte ich schließlich auch 400 Gramm Hackfleisch halb und halb bestellt, dann kann es nicht so schwer sein nach nem Bus oder so zu fragen. Federico oder so, Geschichtsstudent aus Cordoba, wurde auserkoren mich zu retten und hat er auch gemacht. Er lief mit mir zu seiner Haltestelle und zeigte mir dann die, wo ich einsteigen sollte. Long story short, es kam sofort ein Bus und ne halbe Stunde später saß ich mit Jeanette, Sara und Hanna in einer kleinen Bar am Plaza de Mina.
Die Nacht im Hostel war eher kurz und um 11 wurden wir von einer bösartigen Hostelbesitzerin geweckt, wir sollten doch jetzt bitte mal auschecken. Da wir den Samstag in Cádiz bleiben wollten hatten wir uns bei Jorge, einem alten Freund von Jeanette, einquartiert, der praktischerweise direkt am Strand "La Caleta" wohnt. Dort schliefen wir dann ein bisschen nach, abends wurde eingekauft, abgehangen, den Blick von der Dachterasse genossen, spanisches Trivial Pursuit gespielt und abgehangen. Am nächsten morgen...okay mittag gings dann wieder weiter. Nach nem strammen Marsch mit Rucksäcken und Einkäufen gings zum Auto. Kleine Pause am Platz der Kathedrale. Ich hatte die ganze Zeit meinen Laptop dabei und im Bus, sowie immer wieder zwischendurch einen Aufsatz für mein Drogenabhängigkeitsseminar geschrieben, den ich halt an diesem Sonntag abgeben bzw. hochladen musste. Da an diesem Platz Wi-fi ist, konnte ich das auch wunderbar machen und die Ferien fingen für mich erst richtig an.
Die folgenden 2 Tage hatte uns Jeanette ein paradiesartig anmutendes kleines Ferienhaus in "El Palmar", ein mini-surfer-Dorf westlich ca. ne 3/4 Stunde von Cádiz, organisiert. Sie war letztes Jahr wohl öfters da gewesen und kannte die Besitzerin Hille. Hille ist eine alte Hippie-austeiger-Frau mit selbst gebautem Haus, zwei Hunden und einem Herz aus Gold. Wir wurden von ihr wie ihre eigenen Kinder empfangen und betüdelt. Die Zeit war herrlich und so schnell wie der Wind, der da die ganze Zeit pustet. Wir schliefen, lasen, aßen, spielten Doppelkopf (ich werde irgendwann nochmal Profi, ernsthaft), hingen im Garten oder Strand ab, spazierten und alles nochmal von vorn. Hille, ich weiß, wo du wohnst, ich komme wieder.
Der Dienstag kam und wir machten uns auf den langen Weg nach Granada. Die Küstenstrecke über Malaga ist wirklich kein Spaß. Nur Hotelmonstren, die einem die Sicht auf den Atlantik und dann aufs Mittelmeer versperren. Naja, es gab Kaffe-, Pipi-, Strand- und Essenspausen immer wenn wir eine schöne Ecke erspähten. Spät abends kamen wir dann endlich in meiner alten Heimat an. Ein Glück haben wir immer noch keine neue Mitbewohnerin gefunden, denn so haben wir ein hübsches Gästezimmer hier (mein altes).
Am Mittwoch war dann endlich meine erste Semana Santa Erfahrung, die aber eher kalt ausfiel, da wir mitten in der Nacht an einer Ecke so 1,5 Stunden warteten und der Zug (hatte alles so n bisschen Karneval-feeling) immer noch nicht da war. Wir liefen dem ganzen dann einfach entgegen und verzogen uns dann ganz schnell in eine Tetería zum Aufwärmen.
Eigentlich war der Plan, dass die Mädels am nächsten Tag dann ohne mich weiter nach Jáen fahren und ich hatte mich eigentlich schon verabredet, aber irgendwie konnte ich mich doch nicht trennen, da die Zeit einfach so wunderbar gewesen war, also fuhr ich kurzerhand doch noch mit und am Abend mit dem Bus zurück. Leute, fahrt nicht nach Jáen. Das ist hässlich und langweilig. Noch nicht mal das vom Lonelyplanet versprochene Highlight, Metallpalmen auf dem Plaza de la Constitución war da.
Spät zurück gabs noch einen Matetee mit Magali und Chie bevor ich mich dann fix auf den Weg zu meiner Freundin Ariani machte, wo alle anderen auch schon waren um sich von 3 Balkonen, die diese Wohnung hat, die Prozessionen an zu gucken. Der weg war schon fast unmöglich, da an jeder Straße und Ecke und Platz, wo ich hin musste ne fette Prozession war und unmöglich in eine bestimmte richtung zu gehen. Irgendwann hab ich angefangen, immer in die Richtung zu laufen von wo die Leute herkommen, denn das heißt, dass dort alles schon vorbei ist. Für den Weg, normalerweise 10 minuten, hab ich über ne halbe Stunde gebraucht. Egal, denn , Leute, was hab ich für ein Glück. Von da oben ging die Prozession direkt vor unsere Nase vorbei und endlich konnte ich mir alles in Ruhe angucken. Ich muss schon sagen, die Spanier habens drauf ein Spektakel zu veranstalten. Die Kostüme, die Musik. Alles wird natürlich stark Weihrauchgeschwängert. Also, in den Umzügen, die von verschiedenen Brüderschaften organisiert sind, sind immer folgende Figuren vertreten:
- die traurigen Witwen, die eigentlich weinend in schwarz und mit Schleier in Reih und Glied laufen
- die Capuchones, die mit den Kukluxklan-Mützen, sind Leute, die gerne auf dem nachgelaufenen Leidensnweg ein bisschen sühnen und dabei nicht erkannt werden wollen
- Die Vollidioten, die die (ernsthaft) tonnenschweren Kästen mit irgendeiner anderen hübsch aufgemachten Virgen drauf barfuß durch die Stadt tragen. Die Dinger sind riesig und sperrig, weswegen es in Kurven immer wieder probleme gibt. Ein Glück stehen draussen immer zwei Männer in Anzügen, die den Leuten drinnen durch Klopfzeichen ansagen, wie schnell sie wann wohin gehen sollen. Die Armen drinnen sehen ja auch nichts. Einerseits weil das ganze Ding zugehängt ist und weil sie sich zusätzlich noch die Augen verbinden. Das kann man sehen, wenn es einen Trägerwechsel gibt. Nun, zwischendurch wird das ganze auch mal abgesetzt, 3 mal Klopfen. Wie das gehtß? Man muss sich das ganz wie einen Tisch vorstellen unter dem halt Leute laufen und die Tischplatte sozusagen auf ihren Schulter haben und die Tischbeine beim Laufen immer nur ein bisschen anheben. Das ganze aber anzuheben (2 mal klopfen) oder abzustellen ist schon ein krasser Akt, bei dem Maria oder Jesus ganz schön ins wanken kommt und immer stark beklatscht wird von den Zuschauern.
- die Musikgruppen, die wie ne Blaskapelle ausm Sauerland aussieht, aber doch etwas andere Musik spielt. Diese hier ist dramatisch, bewegend und Tränenrührend. Naja für spanische Omis über 80. Achja, und immer mindestens einen Ton zu hoch oder tief.
- viele tausend Messdiener, die kleinsten so 4 Jahre alt
Die schönste, die wir von also an dem Abend sahen, war die Processión de la silenció. Wenn die vorbeikommt, werden wirklich alle Lichter, also alle ausser Ampeln, in Häusern, Geschäften und Wohnungen ausgemacht und alle schweigen. Nur die Kerzen der Maria oder der Messdiener beleuchten noch ein bisschen. Super faszinierend aber auch leider zu dunkel zum Fotos machen.
Ich bin echt froh, dass ich das hier miterleben konnte und nicht nach Hause gefahren bin, wie manche anderen. Hallo?
Nun, heute ist Samstag, die Ferien schon fast vorbei. Vielleicht gucken wir uns ja heute abend noch mal eine an. Ich schaue auf eine geniale Woche zurück, in der ich genau das gemacht hab, was ich machen wollte. Reisen und Prozessieren. Man kann ja immer nur 5 Fotos hochladen, ich hoffe ich suche für euch die Besten raus.
Danke fürs lesen und auf bald.